Bereits am 3.1. berichtete das Westfalen Blatt:
Kreis Gütersloh (WB). »2006 war für uns Landwirte sehr durchwachsen«, resümiert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh Arnold Weßling zum Jahreswechsel.
Das Auftreten der Vogelgrippe und der Schweinepest, eine nervenaufreibende Ernte, aber auch die Umsetzung der EU-Agrarreform sowie der anhaltende Bürokratismus prägten das Jahr. Gleichzeitig kann der Vorsitzende zuversichtliche Entwicklungen auf den Agrarmärkten vermelden. Doch hinken hinter der guten Stimmung die Einkommen auf den Höfen hinterher. Die wirtschaftliche Lage hat sich nicht verbessert. Die Unternehmensergebnisse 2005/2006 gingen sogar um 2,9 Prozent je Betrieb zurück. Damit liegt das Einkommen zirka 17 Prozent unter dem gewerblichen Vergleichslohn.
Zu schaffen machte den Bauern 2006 das Wetter. Das kalte Frühjahr, dann die außergewöhnliche Hitze und Trockenheit im Frühsommer, anschließend der Regen im August: »Die Ernte lag unter dem Durchschnitt, dazu mit großen regionalen Unterschieden«, erläutert Weßling. Als erfreulich bewertet er allerdings die Tendenzen auf den Weltagrarmärkten. Hier sieht er eine »Zeitenwende« - weg von den Überschussmärkten hin zu knappen Nahrungsmittelmärkten. Die weltweit steigende Nachfrage nach Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen (Bioenergie) würden die Agrarmärkte positiv beeinflussen. Dennoch warnt der Vorsitzende, dürfte die Zukunft nicht zu rosig gesehen werden. »Die Landwirtschaft wird sich neben energiebedingten Kostensteigerungen auf viel stärkere Preisschwankungen einstellen müssen.«
Nach wie vor ein Sorgenkind bleibt die Milch. »Die Zukunft der Milchbauern muss sich deutlich verbessern«, betont der Vorsitzende. »Wir brauchen einen Milchpreis, der auskömmlich ist.« So müssten zusammen mit den Molkereien alle Marktpotentiale ausgeschöpft werden.
Um die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte zu erhalten, fordert der Berufsverband »rasche und definitive politische Entscheidungen.« Die Milcherzeuger müssten nach 22 Jahren Quote eine mittelfristige Planungssicherheit bekommen. Daher seien Hilfen zum Ausstieg durch die EU, Bundes- und Landesregierung notwendig. Weiter fordert der Vorsitzende mit Blick auf die EU-Agrarpolitik: Die geplante Zwischenprüfung der Agrarreform im Jahre 2008 dürfe nicht zu einer erneuten Reform ausarten. Verlässlichkeit müsse, wie versprochen, bis 2013 gelten.
Hinsichtlich der nationalen Politik resümiert der Vorsitzende nach mehr als einem Jahr der Großen Koalition: »Die Landwirtschaft wird endlich wieder als ein wichtiger Teil der Wirtschaft gesehen.« Eine Aufgabe müsse auch hier sein, den Bürokratieabbau stärker als bisher voranzutreiben.
Eine große Baustelle sei weiter die Saison-Arbeitskräfte-Regelung. Das Experiment scheiterte in diesem Sommer, deutsche Arbeitslose anstelle von ausländischen Erntehelfern einzusetzen. Viele Betriebe hatten erhebliche Einbußen erlitten, weil zur Ernte die Arbeitskräfte fehlten.
Sorgen bereiteten den Bauern 2006 außerdem das Auftreten der Vogelgrippe und Schweinepest. Die Vogelgrippe brachte die Geflügelhalter in eine dramatische Lage. Infolge der Stallpflicht brach ihr Absatz komplett zusammen. Ebenso habe der Ausbruch der Schweinepest im Münsterland mit ihren überzogenen Restriktionen die Landwirte hart getroffen.