GL: IHK-Konjunkturumfrage im Kreis - Blendende Zahlen weiter gesteigert (16.02.07)

Von MARTIN NEITEMEIER Kreis Gütersloh (gl). Auch wenn die Wirtschaft im Kreis Gütersloh ihre ohnehin blendenden Zahlen noch weiter verbessern konnte, hat Dr. Markus Miele vor allzu großer Euphorie gewarnt. Deutschland stehe am Scheideweg, sagte der Vizepräsident der Bielefelder Industrie- und Handelskammer (IHK) gestern bei der Vorlage der Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage. Dass es nach mageren Jahren wieder bergauf gehe, „ist gut so“, erklärte der Gütersloher Unternehmer. Um das Wachstum nicht zu gefährden, seien aber eine moderate Lohnpolitik und weitere politische Reformen nötig.
Lohnabschlüsse mit einer Sechs vor dem Komma hält Miele für „ziemlich absurd“. Augenmaß sei angesagt. Außer einer leichten Lohnerhöhung kann sich der IHK-Vizepräsident gut eine zusätzliche Leistungskomponente (Einmalzahlung) vorstellen, um die Mitarbeiter in guten Zeiten am wirtschaftlichen Wachstum zu beteiligen.

Und das war im vorigen Jahr im Kreis wirklich nicht ohne: Volle Auftragsbücher und ausgelastete Kapazitäten haben den Gesamtumsatz des verarbeitenden Gewerbes (Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten) um 12,6 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro steigen lassen – ein Zuwachs um fast 50 Prozent seit 1996 und mehr als ein Drittel des Umsatzes im IHK-Bezirk. Zudem hat sich die Lage im Handel deutlich verbessert. Ferner bewerten mit 39 Prozent auch deutlich mehr Dienstleister als noch vor einem Jahr (28 Prozent) ihre Lage als „gut“.

Abzulesen ist das „Stimmungshoch“ auch am IHK-Klimaindikator, der die aktuelle Lage und die Erwartungen der 293 befragten Unternehmen widerspiegelt: Er stieg gegenüber der letzten Frühjahrsumfrage von 142 auf 156 Punkte. Im Herbst hatte er bei 135 Punkten gelegen.

Gerade das zweite Halbjahr 2006 hat die Konjunktur im Kreis beflügelt. Nicht nur, weil das Auslandsgeschäft weiter boomte, sondern auch wegen der klar anziehenden Inlandsnachfrage. Dr. Miele und IHK-Geschäftsführer Dr. Christoph von der Heiden gehen davon aus, dass dieser Trend anhält. Die höhere Mehrwertsteuer werde „nicht ganz ohne Folgen bleiben, man darf sie aber nicht überdramatisieren“.

Der Aufwärtstrend hat laut Miele „erfreulicherweise“ auch den Arbeitsmarkt erreicht. Die Zahl der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe beispielsweise stieg gegen den (negativen) IHK-, NRW- und Bundestrend um ein Prozent auf fast 50 000 an. 37 Prozent der Industriebetriebe wollen Personal einstellen, so viele wie in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr. Im Maschinenbau scheint der Arbeitsplatzabbau gestoppt zu sein. Zudem boomt die Zeitarbeit. Aber: Manchen Firmen fehlt qualifiziertes Personal, im Ingenieurbereich wie in der Informationstechnologie. Miele: „Wir müssen bei jungen Leuten dringend wieder mehr Interesse für technische Berufe wecken.“