Von Stephan Rechlin - Gütersloh/Halle (WB). Die vor vier Jahren geplante Fusion zwischen dem Städtischen Klinikum Gütersloh und dem Klinikum Ravensberg ist so gut wie geplatzt. Beide Häuser schauen sich inzwischen nach neuen Partnern um. Das Bettenhaus Süd droht zu einem Millionen-Grab zu werden.
Der Aufsichtsrat des Klinikums Ravensberg gab jetzt ein Gutachten in Auftrag, das eine Entscheidungsgrundlage liefern soll, mit welchem Kooperationspartner eine langfristige Zusammenarbeit gesucht werden sollte. Im Mai soll der Gutachter dem Aufsichtsrat einen Zwischenbericht vorlegen. Am 12. Juni soll eine Entscheidung über das weitere strategische Vorgehen fallen. Umgekehrt will nun auch das Klinikum Gütersloh über ein neues Gutachten prüfen lassen, welche Erfolgsaussichten die einst angestrebte Fusion noch hat und welche Alternativen in Frage kommen. Dabei schließt Krankenhausdezernent Dr. Klaus Wigginghaus sogar die Kooperation mit einem Bielefelder Krankenhaus nicht mehr aus - dabei hatte der Widerstand gegen den »Moloch aus Bielefeld« lange Zeit als Glaubensbekenntnis im Gütersloher Klinikausschuss gegolten.
Die Entscheidung für neue Gutachten zieht praktisch den Schlussstrich unter eine Klinik-Verlobung, die vor fast genau vier Jahren mit einem »letter of intent« (Absichtserklärung) eingegangen worden war. Aus der damals angestrebten Fusion der Krankenhäuser Halle, Versmold, Gütersloh und Rheda wurde bis heute nur eine Zusammenarbeit bei der Radiologie, den Hygienefachkräften und der Krankenhaus-Apotheke. Die ursprünglich für den Klinikverbund vorgesehene Stelle der Pflegedienstleitung ist seit Monaten vakant.
Die aus Gütersloh kolportierten personellen Probleme haben die Wechselabsichten des Klinikums Ravensberg befördert. Das Klinikum in Halle ist bereits eine Kooperation bei der Lungenheilkunde und der Thorax-Chirurgie (Brustkorb) mit den Städtischen Kliniken Bielefeld eingegangen. Dabei ist noch nicht klar, ob hiermit der Bräutigam fürs Klinikum Ravensburg gefunden ist. »Auch das Angebot der evangelischen Kliniken, über bestimmte Dinge nachzudenken, nehmen wir ernst«, sagte gestern Geschäftsführer Volker Schulz. Der Gütersloher Dezernent Dr. Klaus Wigginghaus führt ebenfalls Gespräche mit dem evangelischen Krankenhausverbund und den Städtischen Kliniken in Bielefeld.
Das drohende Ende der Fusion hat dramatische Konsequenzen. So hatte die Wibera in einem vom Städtischen Klinikum bestellten Gutachten vor drei Jahren gewarnt: Sollte es nicht zur Fusion kommen, sei der Neubau des 21,6 Millionen Euro teuren Bettenhauses Süd überflüssig. Wörtlich heißt in dem Gutachten: »Tatsächlich würden die jetzt beschlossenen oder kurz vor der Umsetzung stehenden Investitionen vollständig ihren Sinn verlieren, falls die Fusion verschoben oder scheitern würde.« Grüne und FDP lehnten den Neubau seinerzeit ab.