NW: Vor Klinik-Fusion muss Versmold bluten - Stadt hält Betten- und Stellenabbau für unerlässlich (12.06.07)

("Neue Westfäliche") Von Rainer Holzkamp - Kreis Gütersloh. Vier Seiten voller Brisanz: In einem „Handlungspapier“ zur bevorstehenden Fusion des Städtischen Klinikums mit dem Klinikum Ravensberg ist von betriebsbedingten Kündigungen die Rede, von Patientenabwanderung und von neuen Leistungsangeboten.
Zwar kommt die Wirtschaftsberatungsgesellschaft WRG (Hannover) in ihrem Gutachten für die Stadt Gütersloh zu dem Schluss, dass die Vorteile einer Fusion für die beteiligten Häuser überwiegen. Aber nur dann, wenn zuvor drastische Einschnitte am Standort Versmold des Klinikums Ravensberg vorgenommen werden.

Der kaufmännische Leiter des Städtischen Klinikums, Ingo Engelmeyer, sprach gegenüber der NW von „Gesundschrumpfen“, freilich ohne Details preiszugeben. Die stehen in dem auf dem WRG-Gutachten fußenden Handlungspapier der Stadt. So sollen in Versmold zwei von drei Bettenstationen geschlossen und dadurch die Personalkosten für 24 Pflegekräfte – 1,2 Millionen Euro jährlich – eingespart werden. Grund dafür sind Verluste, die nach der jüngsten Prognose bis 2009 auf über zwei Millionen Euro pro Jahr steigen, „wenn keine Anpassungen vorgenommen werden“.

Da die geplante Ausweisung von 50 Betten für die Frührehabilitation nach dem jüngsten Gerichtsurteil (NW vom 23. Mai) äußerst fraglich ist, reicht es offenbar aus, in Versmold künftig nur noch eine interdisziplinäre Station für Patienten der Inneren Medizin, der Chirurgie und der Gynäkologie vorzuhalten. Die freiwerdenden Räume könnten vermietet werden, etwa an eine Apotheke, ein Sanitätshaus oder niedergelassene Ärzte.

Was den Stellenabbau angeht, reiche die natürliche Fluktuation nicht aus, heißt es. Kündigungen seien unerlässlich, um kurzfristige Einsparungen zu erzielen. Die Abfindungen für die betroffenen Mitarbeiter müssten noch vor Vollzug der Fusion vom derzeitigen Träger aufgebracht werden.

Dringend empfohlen wird in dem Papier auch, „Leistungswille und Leistungsfähigkeit der medizinischen Angebote viel stärker als bisher der Öffentlichkeit zu vermitteln“. Denn nur so ließen sich die Patienten besser an Halle und Versmold binden. Um eine weitere Abwanderung zu stoppen, sollen auch Fachärzte aus Gütersloh dort Sprechstunden abhalten und stationäre Patienten an beiden Standorten im Nordkreis behandeln.

Die geringe Bindung der Patienten aus dem Südkreis an das Klinikum Gütersloh ist nach Darstellung der Gutachter allerdings noch auffälliger. Beispielsweise lassen sich nur 35 Prozent der möglichen Patientinnen der Gynäkologie sich im „Städtischen“ behandeln.

Speziell in Rheda-Wiedenbrück ist die Situation noch angespannter. Lediglich jeder fünfte Patient der Inneren Medizin entscheidet sich für das Gütersloher Klinikum, die große Mehrheit wählt vermutlich das St.-Vinzenz-Hospital in Wiedenbrück oder das St.-Elisabeth-Hospital. Es wird daher erwogen, im Betriebsteil Rheda künftig auch Leistungen der „Inneren“ anzubieten.

Die Stadtverwaltung ist überzeugt, dass die vorgesehenen Einsparungen und Veränderungen das Risiko von weiteren Verlusten auf ein Minimum verringern. Dies könne die neue gemeinsame Gesellschaft tragen.

Ob sich die Verantwortlichen des Klinikums Ravensberg dieser Haltung anschließen und ebenfalls für eine Fusion plädieren, wird sich eventuell schon heute zeigen. Dem Aufsichtsrat soll ein weiteres, von ihm selbst in Auftrag gegebenes Gutachten zum Zusammenschluss vorgelegt werden.