Von KAI VON STOCKUM - Gütersloh (gl). Die Anwohner vom Weidenweg sind fassungslos: Seit zwei Jahren kämpfen sie dafür, dass die Hochspannungsleitung, die über ihren Wohnhäusern baumelt, im Zuge der Modernisierung verlegt wird. Die Nachbarn waren sich einig, sogar die zuständige RWE-Transportnetz hat grünes Licht gegeben und Alternativflächen wären vorhanden – dennoch lehnt das Planungsamt die Ausweichroute in einer Stellungnahme ab.
Die alten Masten, die im Bereich des Weidenwegs stehen, führen eine 110- und eine 220-Kilovolt- Leitung – letztere soll im Zuge der Modernisierung durch eine 380 KV-Leitung ersetzt werden. Zudem werden die neuen Masten ihre Vorgängermodelle um einiges überragen. Vertreter der RWE bestätigten seinerzeit auf Anfrage der „Glocke“, dass einer Neutrassierung ihrerseits nichts im Wege stünde. Die Mehrkosten würde das Unternehmen tragen. Die letzte Entscheidung allerdings treffe die Bezirksregierung in Detmold, wobei die in der Regel einer Empfehlung des kommunalen Planungsamts folge. Und genau diese Empfehlung aus Gütersloh sorgt nun für Unmut.
Darin lehnt der Fachbereich Stadtplanung eine Umgehungstrasse im Bereich Nordhorner Straße/Birkenweg ab. Als Gründe führt die Behörde die größere Streckenlänge und die höhere Mastenanzahl an. Von „Beeinträchtigung des Landschaftsbildes“ ist dort die Rede und von „Problemen mit Wasservögeln“. Zudem würde eine neue Trasse neue Betroffenheiten bei der Wohnbevölkerung schaffen.
In der Tat: Zwar würde die Alternativtrasse nicht über, aber entlang von Wohngebieten verlegt werden. Potenziell Betroffene haben sich nach Bekanntwerden der Überlegungen zusammengeschlossen, Unterschriften
gesammelt und das Planungsamt gebeten, man möge dem alten Korridor den Vorzug geben. Schließlich will niemand aus seinem Garten in Zukunft auf die Stahlkolosse blicken. Es sei „absehbar, dass aus Sicht von Natur und Landschaft die Umgehungsvariante deutlich schlechter abschneidet als die Trassenführung durch die Siedlung“, heißt es in der Beschlussvorlage, über die am Donnerstag im Planungsausschuss abgestimmt werden soll.
Rederecht für diese Sitzung hat Monika Oberröhrmann beantragt. Sicherlich habe man seinerzeit unter den bestehenden Leitungen gebaut. Heute allerdings sei das Wissen über mögliche Gefahren viel größer. Und jetzt, wo ohnehin umgebaut werde, sei es ein Leichtes, die Trasse zu verlegen. Das sehen ihre Nachbarn vom Weidenweg – übrigens auch die RWE-Transportnetz – genauso. Die Alternativroute würde nur etwa 200 Meter länger als die bisherige sein und einen zusätzlichen Masten erfordern.
Die neue „Betroffenheit“ von der das Planungsamt spreche, sei lediglich optischer, und nicht wie am Weidenweg, gesundheitlicher Natur. Und wenn die Behörde von Problemen mit Wasservögeln spreche, müsse man sich doch wundern, warum die Stadt direkt unter der bisherigen Leitung an der Osnabrücker Landstraße vor wenigen Jahren ein Feuchtbiotop eingerichtet habe.