VON ROLF BIRKHOLZ - Gütersloh. Die Sozialraumarbeitsgemeinschaft (SRAG) Friedrichsdorf ist enttäuscht über den Stand der Dinge beim so genannten Projekt Bernhörster. In oder im Bereich der seit geraumer Zeit geschlossenen Gaststätte im Ortskern hätte sich die SRAG die Einrichtung eines schon lange geforderten Bürger- und Jugendhauses gewünscht. Doch die nun vorgestellten vagen städtischen Planungen sehen allenfalls einen 100-Quadratmeter-Jugendtreff vor, den Bürger ein bisschen mitnutzen können.
Das war den am Montagabend im evangelischen Gemeindehaus versammelten knapp 30 SRAG-Mitgliedern und anderen Friedrichsdorfern zu wenig. Gut fänden es zwar alle, dass überhaupt ein Jugendtreff vorgesehen sei, resümierte Sprecherin Dorothea Hohmeyer. Aber ebenso stimme es alle bedenklich, dass kein richtiges Bürgerhaus komme.
Dabei ist es offen, wann und ob überhaupt aus dem Projekt Bernhörster und der damit verbundenen Hoffnung auf Jugendräume etwas wird. Bevor sich am 30. August der Jugendhilfeausschuss und am 4. September der Grundstücksausschuss damit befassen, informierten Andreas Reinhold, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Jugend, und Ute Ottensarend vom Fachbereich Immobilienwirtschaft die SRAG.
Laut Ute Ottensarend gibt es einen an dem aus städtischer und privater Fläche bestehenden Areal interessierten Investor. Doch die Erbengemeinschaft Bernhörster, mit der man sich in einem guten Gesprächsklima befinde, wolle zurzeit „keine Änderung“, keinen Verkauf, keine Baumaßnahmen. Und die Stadt, die Grundstücke ringsherum besitze, wolle „auch keinen Druck ausüben“.
Der nicht genannte Investor kann sich nach den Worten der Stadt-Mitarbeiterin aber offenbar vorstellen, auch ohne den Bernhörster-Komplex schon zu besitzen, an diesen anschließend zur Brackweder und zur Windelsbleicher Straße hin anzubauen. Und dabei könnten 100 Quadratmeter öffentliche Räume vorgehalten werden.
Das würde, so Andreas Reinhold, reichen für einen Mehrzweckraum (45 Quadratmeter), einen Gruppenraum sowie Teeküche, Büro, Sanitärbereich. „Das Standardprogramm für ein kleines Jugendzentrums.“ Dafür müsste ein Träger aus dem Bereich der SRAG gefunden werden. Bei bis zu 15 Wochenstunden Jugendarbeit bleibe noch Zeit für eine Nutzung durch die Bürgerschaft.
45 Quadratmeter wurden von den Versammelten freilich für zu klein gehalten. Es sei enttäuschend, hieß es, dass quasi nichts von den einstigen Wünschen, die auch Politiker immer wieder gutgeheißen hätten, erfüllt werde. Seit Mitte der 80er Jahre fordere man Bürger- und Jugendräume. Doch weder bei der ehemaligen Schule (heute Waldorfschule) noch bei der alten Molkerei sei man zum Zuge gekommen. Friedrichsdorf werde „vernachlässigt als Ortsteil“, wurde geklagt – auch mit Blick auf den Bürger-Bahnhof im benachbarten Avenwedde-Bahnhof.
Ute Ottensarend sagte, die aktuelle Planung sei doch immerhin ein „Einstieg in das, was Sie wollen.“ Andreas Reinhold räumte indes auch ein, dass man in einem ungewöhnlich frühen Planungsstadium schon über Details rede, wo die baurechtlichen Voraussetzungen noch gar nicht geschaffen seien.