Von MARTIN NEITEMEIER - Kreis Gütersloh (gl). Absage: Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) wird für die Kreis keine Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung (ESE), Sekundarstufe I, einrichten. Der Versmolder CJD-Gesamtleiter Heinz van Goer hat den Antrag auf Übernahme der Schulträgerschaft mit Verweis auf die sich verändernde NRWSchulpolitik zurückgezogen.
Jetzt muss neu nachgedacht werden. Ende November will Kreisdirektor Christian Jung im Schulausschuss Wege aufzeigen.
Ende 2004 hatte der Kreis beschlossen, angesichts stabiler Bedarfszahlen und fehlender Kapazitäten eine zweite ESE-Förderschule zu errichten. Ein Jahr später sprach sich der Kreistag aus wirtschaftlichen Gründen für die CJD-Trägerschaft aus. Schwierige Abstimmungsgespräche und unklare Bedarfszahlen führten in der Folge zu Verzögerungen. Zuletzt kollidierte das Projekt mit neuen schulpolitischen Zielvorgaben des Landes. Düsseldorf möchte – wie berichtet – möglichst keine neuen Förderschulen mehr errichten, sondern beeinträchtigte Kinder in den Regelschulen integrativ fördern oder so genannte Kompetenzzentren mit verschiedenen Förderschwerpunkten einrichten.
Auch vor diesem Hintergrund dürfte dem CJD die Übernahme der Trägerschaft zu risikoreich geworden sein. Ferner hatte sich bei einer bundesweiten Ausschreibung der Schulleiterstelle kein Interessent gemeldet. Voraussetzung für die Trägerschaft war zudem die mittel- bis langfristig gesicherte Auslastung der Einrichtung. Die sei derzeit aber unter anderem wegen der allgemeinen Schülerzahlentwicklung nicht gegeben, heißt es in der CJD-Absage vom 31. Juli. Heinz van Goer war am Freitag für ein Gespräch nicht zu erreichen. Bereits im März hatte das Vorhaben auf der Kippe gestanden.
Doch entgegen dem Vorschlag der Verwaltung und der Empfehlung der Bezirksregierung sprachen sich damals im Schulausschuss CDU und SPD dafür aus, die neue CJD-Schule „mit Nachdruck weiter zu verfolgen“. Man könne nicht länger warten, der Bedarf für die zweite Schule sei da, die Kompetenzzentren-Pläne noch nicht ausgereift. Die Liberalen plädierten für eine Vertagung, die Grünen für eine integrative Förderung der Problemkinder an den Regelschulen. Siegfried Lieske von der Bezirksregierung stand gegenüber der politischen Mehrheit auf verlorenem Posten, auch wenn er damit warb, dass ein Kompetenzzentrum schon zum 1. Februar 2008 starten könne und man für „kompetente Fachkräfte“ sorgen werde. Auch sei – statt der geplanten zwei – nur ein Förderschwerpunkt denkbar.
Ein halbes Jahr später setzt die Diskussion an diesem Punkt wieder an. Ende August wird der Kreisdirektor das nächste Gespräch mit der Bezirksregierung führen, wenige Tage später – am 30. August – kommt das Thema im Schulausschuss zur Sprache. Ein Antrag der SPD-Fraktion liegt bereits vor. Sie sieht „akuten Handlungsbedarf“ und fordert „schnellstmöglich eine kreiseigene Förderschule“. Doch von Detmold gibt es laut Jung „bereits Signale, dass eine neue Schule nicht genehmigt wird“.
Bleibt also nur die Förderung aller Problemkinder an den Regelschulen oder die Einrichtung eines Kompetenzzentrum. Dies könnte durch den Ausbau der Hermann-Hesse-Schule oder durch die Anbindung des ESEBereichs an eine der acht Lernbehindertenschulen in Kreis erfolgen.
Letztere werden aber nicht vom Kreis, sondern von Kommunen getragen, was die Lösung der Situation nicht einfacher macht.