NW: Prospekte und Tickets statt Wolle und Knöpfe - Stadtmarketing und Tourist-Info ziehen um (30.08.07)

Gütersloh (raho). Geradezu eingequetscht zwischen SEB-Bank und Elektro-Bücker fällt der kleine Laden dazwischen kaum auf. Wer nicht gerade gezielt Wolle sucht, seine defekte Nähmaschine zur Reparatur bringen muss oder über den Reklame-Aufsteller mit „70 Prozent Rabatt“ stolpert, der läuft an diesem schmalen Teil von Haus Nr. 63 der Berliner Straße leicht vorbei, ohne überhaupt Notiz davon genommen zu haben.
Und doch ist der Geschäftsführer der Gütersloh Marketing GmbH (GTM) fest davon überzeugt, hier, im bisherigen „Nähmaschinen & Stoff-Center“, den passenden neuen Standort für die Tourist-Info gefunden zu haben. Nah am Rathaus, Parkplätze vor der Tür und damit mit dem Auto erreichbar – dies seien nach Erkenntnissen der Touristik-Branche die wichtigsten Anforderungen an eine solche Einrichtung, erklärte Jan-Erik Weinekötter gestern auf Anfrage. Am Abend zuvor tat er das bereits vor der nichtöffentlich tagenden GTM-Gesellschafterversammlung. Mit Erfolg. Denn das Gremium folgte ohne Gegenstimme seinem Standort-Vorschlag, so dass der Geschäftsführer nun einen langfristigen Mietvertrag mit den Eigentümern der Immobilie, Hans und Anneliese Flöttmann, abschließen kann.

Bereits im November wird die GTM-GmbH das bisherige Domizil an der Eickhoffstraße verlassen und in den zweiten Stock des Hauses (50 qm) an der Berliner Straße umziehen. Die bisher am Rathaus untergebrachte Tourist-Info wechselt in den Tagen zwischen den Jahren, also kurz vor der offiziellen Übernahme der Einrichtung vom Verkehrsverein am 1. Januar 2008, die Straßenseite.

Laut Weinekötter ist das 120 qm große Ladenlokal wegen seines langen, schmalen Zuschnitts für eine Einzelhandelsnutzung weniger geeignet. Dabei war das Handarbeitsgeschäft vor einem Jahr mit Hoffnungen auf mehr Laufkundschaft von jenseits der Friedrich-Ebert-Straße an diesen etwas zentraleren Ort umgezogen. Erfüllt haben sie sich offenbar nicht. Nach sechs Jahren in Gütersloh schließt das Geschäft Ende September seine Pforten. Inhaberin Steffi Schärling begründete die Entscheidung auch mit zu hohen Kosten und großem Zeitaufwand. Sie müsse jeden Tag 150 Kilometer zwischen Wohnung und Geschäft pendeln.

Eine „Counter-Situation“ mit mehreren Tresen passe viel eher zu den räumlichen Gegebenheiten, so Weinekötter, der sicher ist, bei Touristen und Güterslohern trotz der wenig exponierten Lage genügend Aufmerksamkeit zu finden. Es gebe Pläne für eine geschickte Außendarstellung, außerdem gewinne der Standort durch den bevorstehenden Umbau des Konrad-Adenauer-Platzes an Urbanität.

Etwas deutlicher wurde jetzt auch, warum die GTM 30.000 Euro Zuschuss von ihrem Hauptgesellschafter, der Stadt Gütersloh, beantragt (und bewilligt bekommen) hat. Denn die erforderliche Barrierefreiheit ist am künftigen Standort derzeit keineswegs gegeben: Gleich hinter dem Eingang führt eine Treppe ins eigentliche Geschäft. Und neben dem erforderlichen Umbau ist auch ein anspruchsvoller Innenausbau geplant, „mit dem wir“, so Weinekötter, „für die kommenden Jahre gut aufgestellt sind.