NW: Hauptsache transparent - Kulturausschuss billigt Glasfassade mit Photovoltaikanlage am neuen Theater (21.09.07)

VON MATTHIAS GANS - Gütersloh. „Das neue Theater wird klasse“, gab sich Jörg Friedrich gestern bei der Kulturausschusssitzung kämpferisch. Viel Kritik hatte sich der Architekt anhören müssen. Sogar eine Vertragsauflösung wurde angedroht. Doch als darüber abgestimmt wurde, die Möglichkeit zu prüfen, in die Glasfassade nach Süden aus Gründen des Sonnenschutzes eine Photovoltaikanlage zu integrieren und die anderen Seiten im verputzten Wärmedämmverbundsystem auszuführen, gab es lediglich eine Gegenstimme von der FDP.
Noch in der Sitzung vor der Sommerpause war nur die Verkleidung der Ost-,West- und Nordwand eine Frage. Verputz oder die 350.000 Euro teurere Variante aus Metallplatten: die Entscheidung darüber wurde auf gestern vertagt. Doch zwischenzeitlich hatte die Verwaltung bemerkt, dass die Glasfassade einen Sonnenschutz benötigt, sonst würden Temperaturen im Foyer erreicht, die eine ganzjährige Nutzung einschränkten. Zwei Vorschläge machte Stadtbaurat Joseph E. Löhr: Glas mit Metallschleier oder mit Photovoltaikanlage. Muster davon konnten die Ausschussmitglieder auf dem Flur vor dem Ratssaal betrachten. Durchsichtigkeit war bei keiner Variante gewährleistet.

Doch Transparenz sei maßgeblich, ob eine Entscheidung für eine Photovoltaikanlage falle, darin waren sich Verwaltung und Teile der Politik einig.

Ingrid Schrader (SPD) betonte die Wichtigkeit der Transparenz, „das ist etwas, das schon jetzt ganz viele Gütersloher am neuen Theater begeistert“. Marieta Fiekas (CDU) sagte: „Wenn das geht, ist das okay so. Wir vertrauen Professor Friedrich.“ Joachim Martensmeier vom Gestaltungsbeirat entgegene: „Wenn wir keine Lösung für das Problem finden, machen wir das mit der Photovoltaik nicht.“ Auch Marianne Dreckmann (Grüne) stimmte dem Beschluss zu, zeigte sich aber skeptisch, ob sich Sponsoren für die Photovoltaikanlage finden lassen. Die Stadt plant eine Finanzierung der Anlage im Rahmen eines Contracting-Modells.

Kritik kam vor allem an der ungewissen Kostenentwicklung und den Änderungen an der Architektur. Norbert Morkes (BfGt) und Norbert Bohlmann (UWG) zeigten Einigkeit in der Frage, was nach diesen Änderungen übrig bleibe von den „Visionen und Entwürfen Friedrichs?“ Und Manfred Hambrink (FDP) erinnerte daran, dass seine Partei ein neues Theater wolle, „aber nicht zu jedem Preis“. Es sei abzusehen, dass die Kosten steigen werden. Deshalb solle der Vertrag mit Jörg Friedrich gelöst werden. „Der hat uns verschaukelt.“

Der Architekt zeigte sich „verwundert über die Leichtigkeit“, mit der über dieses wichtige Projekt für die Stadt und die Region geurteilt werde. Er sei zuversichtlich, „ein gutes Theater“ im beschlossenen Finanzrahmen von 19 Millionen Euro bauen zu können. An diese Deckelung fühle sich die Stadt trotz gestiegener Baukosten gebunden, so Löhr.