GL: "Flexiblere Produktion" - Miele-Werk in Tschechien wächst (09.03.07)

Von GERRIT DINKELS - Gütersloh (gl). „Es ist ein wachsendes Werk“, hatte der GeschaÅNftsführende Gesellschafter Dr. Markus Miele der „Glocke“ im Oktober bei einem Besuch der Prager Dependance gesagt. Von konkreten Plänen für Unicov war damals noch keine Rede. Jetzt soll die halbe Wäschetrockner-Produktion aus Gütersloh nach Tschechien verlagert werden.
Am kommenden Mittwoch wollen Geschäftsleitung und Betriebsrat die Belegschaft informieren. Der Betriebsratsvorsitzende Klaus Niebusch wollte der Versammlung gestern nicht vorgreifen. Der Betriebsrat sei am Montag unterrichtet worden, Details kenne er nicht. Es sei versichert worden, dass die Verlagerung beschäftigungsneutral laufen und es keinen Personalabbau geben werde. „Ich hätte es natürlich lieber gesehen, wenn die Produktion hierbleibt“, räumte Niebusch auf Nachfrage ein. „Wir werden Gespräche führen, wie das im Detail laufen soll.“ Miele- Sprecher Theodor Siepert bestätigte „Glocke“-Informationen: „Wir wollen damit unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken.“ Miele könne mit der neuen Fertigungslinie flexibler den saisonalen Bedarf an Trocknern produzieren.

Derzeit werden im Werk am Rande der tschechischen Kleinstadt Unicov Toplader, Waschund Trockenautomaten für den kleingewerblichen Einsatz, dekor- und integrierfähige Waschautomaten und Trockner sowie Waschtrockner gefertigt. Zudem werden die Aggregate für Kleingewerbegeräte, Waschtrockner und Toplader vormontiert.

Aus 200 Mitarbeitern sind mittlerweile mehr als 300 geworden. Im Dezember 2003 war die 12 500 Quadratmeter große Montagehalle in Betrieb genommen worden. Sie bedeckt nicht einmal die Hälfte des zur Verfügung stehenden Geländes, für eine Erweiterung ist also noch reichlich Platz. Das Lohnniveau liegt bei einem Fünftel bis Sechstel des deutschen Standards. Gleichzeitig seien die Beschäftigten dort dank eines funktionierenden Schulsystems gut ausgebildet, hatte Markus Miele im Oktober berichtet. In Unicov würden überwiegend Kleinserien mit einem großen manuellen Anteil produziert. Mit der Verlagerung eines Teil der Trocknerproduktion mit einer ganzen Fertigungslinie würde sich das nachhaltig ändern. In Gütersloh arbeiten 130 Mitarbeiter an der Linie.

Das Werk Unicov ist von der Zulieferung bis hin zum Qualitätsmanagement, das aus Gütersloh gesteuert wird, komplett in die Miele-Welt eingebunden. Bisher wurden dort pro Jahr rund 100 000 Geräte montiert. Über das Gütersloher Warenverteilzentrum gelangen sie zu den Vertriebspartnern in aller Welt.

Im Geschäftsjahr 2005/06 hat Miele laut Geschäftsbericht nahezu 350 000 Wäschetrockner verkauft. Wird die Hälfte der Produktion nach Unicov verlagert, würde sich der Geräteausstoß im tschechischen Werk nach und nach mehr als verdoppeln.

Noch zwei gute Nachrichten für die Belegschaft in Gütersloh: Für alle Mitarbeiter wird 2007 übertariflich ein Weihnachtsgeld in Höhe von 75 Prozent des durchschnittlichen Monatsgehalts gezahlt. Miele will außerdem alle technischen Auszubildenden des Abschlussjahrgangs 2007 übernehmen.