Gütersloh (rec). Die Kirchstraße ist »der Lebensnerv des Gütersloher Stadtbusnetzes«. Das jedenfalls geht aus der Antwort der Stadtwerke Gütersloh (SWG) auf die Frage hervor, ob der Busverkehr in der Blessenstätte nicht stark reduziert werden kann.
So hatte die »Interessengemeinschaft Historischer Stadtkern« unter anderem angeregt, überregionale Busse aus der Kirchstraße zu verbannen und im Stadtverkehr kleinere Busse einzusetzen. Beide Wünsche werden von den Busbetrieben SWG und »Verkehrsverbund OstWestfalenLippe« (VVOWL) in schriftlichen Stellungnahmen abgelehnt.
Nach den derzeit gültigen Fahrplänen durchfahren 159 SWG-Busse und 110 TWE-Busse an Werktagen die Kirchstraße; hinzu kommen die Busse von fünf Regionallinien in Richtung Harsewinkel, Herzebrock-Clarholz, Rheda-Wiedenbrück (zwei Linien) und Rietberg. An Samstagen sind es noch 155 Busfahrten, an Sonntagen 52.
Die besondere Bedeutung der Kirchstraße liegt der Stellungnahme von SWG-Geschäftsführer Lorenz Siepe zufolge in der Möglichkeit, vielen älteren Fahrgästen einen direkten Haltepunkt in der Innenstadt zu bieten. Im Streckenverlauf der Linien 42 (Richtung Elisabeth-Hospital) und 45 (Richtung Kattenstroth) befänden sich unter anderem das Seniorenzentrum Am Bachschemm, Am Alten Domhof und das Katharina-Luther-Haus in direkter Nähe von Haltestellen. Die Linien 41 (Westfälische Klinik) und 49 (Berufskollegs) wiederum würden von vielen Schülern der Anne-Frank-Gesamtschule, des Evangelisch-Stiftischen Gymnasiums und der beiden Kollegs genutzt. Ein Umstieg am Zentralen Omnibus Bahnhof (ZOB) oder eine neue Linienführung würde den eng bemessenen Fahrplan über den Haufen werfen und das Netz der Ankunfts- und Abfahrtszeiten der verschiedenen innerstädtischen und regionalen Linien sprengen.
Zu diesem Fazit kommt auch Stefan Honerkamp vom VVOWL: »Zur Kirchstraße als Verbindung zum ZOB gibt es eigentlich keine Alternative, wenn nicht der Berliner Platz wieder für den öffentlichen Personennah-Verkehr freigegeben werden soll.« Eine neue Linienführung würde zu Fahrzeitverlängerungen führen, höhere Betriebskosten verursachen und die Verkehrslast nur auf Dalke- und Neuenkirchener Straße abwälzen. »Das würde aufgrund der dort vorhandenen Alten- und Pflegeheime ebenfalls auf Kritik stoßen.«
Stadtbaurat Josef E. Löhr erinnert in der Vorlage zum Planungsausschuss an den Auslöser, sich überhaupt mit dem Verkehr auf der Blessenstätte zu befassen. Danach sei es einst vor allem darum gegangen, den ÖPNV zu stärken und den Individualverkehr zu reduzieren