Von Ludger Osterkamp und Anette Isringhausen - Gütersloh. Das Wapelbad wird künftig nicht mehr von der Weberei geführt. Die Stadt als Vertragspartner unterstützt stattdessen die Gründung eines Fördervereins Wapelbad unter der Regie von Matthias Markstedt, Geschäftsführer und Gesellschafter der Firma Energetik. Grund für den „Rauswurf“ der Weberei sind Vorwürfe über Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung von Spendengeldern.
Von den 20.000 Euro, die Energetik im vergangenen Sommer für die Sanierung des Pavillons im Wapelbad an den damaligen Weberei-Verein gespendet hatte, sind laut Markstedt nur vier- bis fünftausend Euro angekommen. Mit dem übrigen Geld habe die Weberei 2006 ausstehende Rechnungen bezahlt.
„Da ist ganz eindeutig gegen Vereinbarungen verstoßen worden“, sagte Markstedt. Mit der Weberei sei vereinbart gewesen, die 20.000 Euro auf ein Sonderkonto einzuzahlen; von diesem Konto aus sollte die Sanierung des Gastronomie-Pavillons bezahlt werden. Diese Modalitäten seien bei einem Gespräch zwischen Vertretern der Firma Energetik sowie der Weberei-Geschäftsführerin Dörte Roschinski und der Vorsitzenden des Weberei-Trägervereins, Hanne Heudtlass, festgelegt worden.
Damals sei man sich auch darin einig gewesen, dass 20.000 Euro genügten,um den Pavillon komplett zu sanieren. „Darüber hat es Architekten-Berechnungen gegeben, die von beiden Seiten abgenickt wurden.“
Bis heute seien aber noch nicht einmal die Sanitäranlagen fertiggestellt. Markstedt glaubt, dass die Weberei das Sonderkonto nie eingerichtet habe. Vielmehr sei das Geld auf ein allgemeines Weberei-Konto geflossen, von dem aus sie Getränkelieferungen bezahlt habe. „Wir fühlen uns massiv getäuscht“, sagte der Unternehmer, dessen Firma (20 Mio. Euro Jahresumsatz) im Gewinnen regenerativer Energien tätig ist.
Dörte Roschinski wollte sich gestern gegenüber der NW nicht zu den Vorwürfen äußern. Erst wolle sie das Gespräch mit Markstedt suchen, sagte sie. Sie halte das Ganzefür ein Kommunikationsproblem.
Markstedt ist davon überzeugt, dass das Wapelbad, anders als unter der Weberei-Regie, ohne Verluste geführt werden könne. Der zu gründende Verein stünde allen Wapelbad-Anhängern offen.Er hofft auf Interesse unter anderem des Stadtteilvereins Kattenstroth. Und sollte die ein oder andere Finanzspritze nach einer schlechten Saison nötig sein, würde seine Firma als Sponsor einspringen.
Eine Botschaft, die die Stadt gerne hören wird. Denn der zuständige Dezernent Andreas Kimpel zeigte sich von der Erwartung des neuen Weberei- Trägers Pari-Sozial, dass die Stadt die Kosten für die Fertigstellung des Pavillons übernehmen wird (siehe NW vom 19. April), wenig begeistert.
Umso erfreuter wurde gestern im Rathaus die Initiative von Markstedt begrüsst: „Mit so einem Partner im Boot läuft das auch“, sagte Kimpel. Er könne sich vorstellen, dass der neu strukturierte Fachbereich Kultur während des Sommers Open-Air-Konzerte im Wapelbad anbiete. Um die Fertigstellung des Pavillons, mit dessen Bau die Weberei bereits 2005 begonnen hatte, kümmert sich jetzt Markstedt. „Das Projekt wird kurzfristig abgeschlossen. Für die Arbeiten haben wir alle notwendigen Handwerker.“