NW: Geplantes Verkehrschaos - Isselhorster demonstrieren gegen Schwerlastverkehr in der Dorfmitte (25.04.07)

von Jens Dünhölter - Gütersloh. Kleinere Staus, zäh fließender Verkehr und Wartezeiten rund um das Kriegerdenkmal sind freitags in Isselhorst an der Tagesordnung. An den kommenden beiden Freitagen (27. April und 4. Mai) werden die Blechschlangen indes ungeahnte Ausmaße annehmen und dem motorisierten Verkehr wird viel Geduld abverlangt: Es wird demonstriert.
„Der Durchgangsverkehr sollte Isselhorst besser umfahren. Als Autofahrer würde ich an beiden Tagen zwischen 13 und 18 Uhr einen großen Bogen um die Dorfmitte machen“, sagt Jochen Czayka von der Privat-Initiative „Brummis raus aus Isselhorst“. Gemeinsam mit einem guten Dutzend Mitstreitern haben Bernhild Köster und Jochen Czayka von der Initiative „Haller Straße“ zwei sogenannte Spaziergänge durch Isselhorst über die Haller Straße angemeldet.

In kleinen Gruppen pendeln die Demonstranten auf beiden Seiten der Dorflebensader zwischen Kaufhaus Dreesbeimdiecke und Fahrrad König. Durch häufiges Überqueren der beiden Fußgängerampeln mitsamt entsprechender Rotlichtphasen wird das Durchqueren der knapp 500 Meter kurzen Ortsdurchfahrt zur Gedulds- und Nervenprobe für den PS-starken Verkehrs werden. Bereits jetzt quetschen sich Pkw und Lkw dicht an dicht über das holprige Kopfsteinpflaster.

Am vergangenen Wochenende wurden die „Spaziergänge“ per Handzettel im Dorf beworben. Die Reaktionen waren durchweg positiv. Etliche Isselhorster erklärten spontan ihre „Mitgeherschaft“.

Viele von ihnen dachten wie eine 43-jährige Mutter: „Bravo, tolle Aktion. Es wird Zeit, dass was unternommen wird. Der Schwerlastverkehr über 7,5 Tonnen belastet unsere Lebensqualität doch ganz erheblich“, sagte sie. Kurz entschlossene Weggefährten sind an beiden Tagen zwischen 13 und 18 Uhr willkommen. Treffpunkte sind jeweils am Dorfplatz gegenüber dem Schuhhaus Karmann.

Ihren Protestmarsch verstehen die Demonstranten als „Wachmacher“ für die Behörden. Die Vorgeschichte ist lang und – aus Sicht der engagierten Initiativler–„nicht gerade ruhmreich für unsere Stadtverwaltung“. Vor mehr als einem Jahr hat die Initiative eine von rund 2.300 Isselhorster Bürgern unterschriebene Forderung an Bürgermeisterin Maria Unger übergeben. Angemahnt wird darin, die Ortsdurchfahrt für „nicht anliegerbezogenen Schwerlastverkehr über 7,5 Tonnen“ sperren zu lassen.

Passiert ist seitdem nichts. Trotz steter Nachfrage wurden die Privatleute immer wieder vertröstet – aus ihrer Sicht eine „Hinhaltetaktik, die wir uns nicht länger gefallen lassen“.

ImLutterdorf macht sich deshalb Unmut breit. Ganz offen schildert Jochen Czayka denEindruck, den er und seine Mitstreiter haben: „Die Verwaltung will uns nicht helfen. Es wird viel versprochen, aber nichts getan.“ Einmal in Fahrt, schiebt er hinterher: „Die Köpfe in der Planungsabteilung haben scheinbar ihren Auftrag vergessen, wenn sie ihr eigenes Interesse über das der Öffentlichkeit stellen. Sie sind für die Bürger da.“

Auch der Forderung, mit der Stadt Gütersloh, dem Kreis, der Stadt Bielefeld, der Kreispolizeibehörde sowie dem Landesbetrieb Straßen NRW verschiedene Gesprächspartner an einen Tisch zu holen, werde nicht nachgekommen. Jochen Czayka: „Wenn man wirklich will, sollte man in der Lage sein, Gespräche zu koordinieren.“

Um an die Forderung zu erinnern, ihr mehr Nachdruck zu verleihen und die Behörden zum Handeln zu animieren, gehen die Isselhorster jetzt buchstäblich auf die Straße. Der Lawine, die dadurch ins Rollen kommt, sieht Jochen Czayka ganz gelassen entgegen. „Vielleicht“, so hofft er, „hilft uns diese Aktion dabei, endlich einen Schritt weiter zu kommen.“ Ideal wäre es aus Sicht der protestierenden Isselhorster, „wenn sich viele Bürger im Rathaus über das Verkehrschaos und die unhaltbaren Zustände direkt beschweren“.