Von Rainer Holzkamp - Gütersloh. Kalte Dusche für viele „Welle“-Besucher, gerade die jüngeren: Die geplante neue Riesen-Rutsche wird nun doch nicht gebaut. Es wird auch keine kleinere, abgespeckte Version geben. Stattdessen setzen die Stadtwerke Gütersloh (SWG) auf die preisgünstigste Alternative.
Die alte Rutsche bleibt weiter in Betrieb. Sie soll lediglich etwas modernisiert werden. Vorgesehen ist unter anderem eine neue Innenbeleuchtung. Das hat die SWG-Geschäftsführung am Mittwochabend dem Aufsichtsrat mitgeteilt.
Die Entscheidung löste bei Beobachtern einige Verwunderung aus. Galt doch die neue Rutsche bisher als ein Garant dafür, das in die Jahre gekommene Freizeitbad wieder attraktiver zu machen, die in den vergangenen Jahren gesunkenen Besucherzahlen zu steigern und das jährliche Defizit der Bäder dauerhaft unter drei Millionen Euro zu drücken. „Wir erreichen dieses Ziel auch ohne die Rutsche“, so die Geschäftsführung.
Bereits im Vorfeld des inzwischen angelaufenen „Welle“- Umbaus hat es ein Hin und Her um die Rutsche gegeben. Ursprünglich sollte sie erst 2008 errichtet werden; dann, wegen der besseren Arbeitsabläufe und um in benachbarte Anlagen abgewanderte Kunden zurückzugewinnen, schon in diesem Jahr.Voller Vorfreude präsentierte der Leiter der Bäderbetriebe, Udo Mauritz, im März die Pläne für das „Magic Eye“, eine 100 Meter lange spiralförmige Abfahrtsröhre. „Damit werden wir wieder konkurrenzfähig“, so die Erwartung.
Doch letztlich haben die Kosten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nachdem der Aufsichtsrat vier Millionen Euro für den Umbau der „Welle“ inklusive erweiterter Sauna und neuer Umkleiden bereitgestellt hatte, ergab sich ein unerwarteter Mehraufwand von 800.000 Euro (NW vom 28. März). Dem Vernehmen nach war zunächst nicht daran gedacht worden, dass die neue Rutsche auch einen neuen Treppenturm erfordert. Allein das soll zu Mehrkosten in Höhe von 260.000 Euro geführt haben. Hinzu kamen Mehrausgaben für das Chemikalienlager, eine allgemeine Baukostensteigerung und ein höheres Architektenhonorar. Der Aufsichtsrat lehnte es Ende März jedoch ab, die zusätzlichen Mittel bereit zustellen.
Am gedeckelten Budget änderte sich auch Mittwoch nichts. Zwar hatte sich die SPD für das „Magic Eye“ stark gemacht. Doch nach den Erklärungen der Geschäftsführung ist über das Thema gar nicht erst noch einmal abgestimmt worden.
Ebenfalls nicht auf der Tagesordnung: das mit dem „Welle“-Umbau verbundene und umstrittene neue Bäderkonzept. Ob das Hallenbad an der Herzebrocker Straße künftig außer am Wochenende auch noch am Freitag für die Öffentlichkeit geöffnet und auch das Warmbadeangebot aufrecht erhalten wird, ist somit weiter unklar. Das Gleiche gilt für die von vielen Besuchern geforderte separate Öffnung des „Welle“-Freibads. Udo Mauritz führt dazu weitere Gespräche. Außerdem verhandelt er mit den Vereinen und Schulen überdies neue Verteilung der Schwimmzeiten.
Keine leichte Aufgabe, allen Interessen gerecht zu werden. Schließlich ist auch dabei die beschlossene Defizitbegrenzung auf drei Millionen Euro zu berücksichtigen. Gerät dies in Gefahr, könnten die Bielefelder Stadtwerke als SWG-Mitgesellschafter ihr Veto einlegen. Zusätzliche Personalkosten etwa wegen erweiterter Öffnungszeiten des Hallenbads würden sich daher wohl auf den Eintrittspreis auswirken.