GL: „100-Alleen-Initiative“ - (Verler, Anm. d.R.) CDU-Fraktion zieht eigenen Antrag zurück (02.06.07)

Verl (ebb). Antonius Westerbarkei von der CDU bringt es als erster seiner Partei auf den Punkt. „Es ist nicht so auf Verl zugeschnitten, als dass es hier anwendbar wäre.“ Der Ortspolitiker meinte in der jüngsten Sitzung des Straßen-, Wege- und Verkehrsausschusses das Förderprogramm „100-Alleen-Initiative“ des Landes NRW, für das sich die Gemeinde einem CDU-Antrag vom 24. Januar zufolge hätte bewerben sollen.
Doch als bei näherem Hinsehen klar wurde, dass die Nachteile gegenüber den durchaus verlockenden Zuschüssen in Höhe von 80 Prozent der Gesamtkosten eindeutig überwiegen würden, machte die Fraktion selbst einen Rückzieher.

Schon die Verwaltung hatte in ihrem Beschlussvorschlag eine Bewerbung abgelehnt. Eine förderungswürdige Allee müsste mindestens 300 Meter lang sein, die zu pflanzenden Bäume standortgerecht und heimisch und der Erhalt der Pflanzung auf 25 Jahre gesichert, da sonst ein Widerruf von Fördermitteln drohe.

Die Gemeinde Verl nehme zudem seit eh und je an ihren Straßen Neuanpflanzungen, Ersatzund Ergänzungspflanzungen von Bäumen vor, und zwar dort, wo zwischen Fahrbahn und Grundstücksgrenze genügend Platz vorhanden sei.

Eigentümer landwirtschaftlich genutzter Flächen würden Baumpflanzungen zudem eher kritisch beäugen. Sie befürchten Mindererträge durch Schattenwurf und Verwachsungen von Baumwurzeln in die Landwirtschaftsflächen hinein.

Weiter argumentierte die Verwaltung, dass wegen nicht vorhandener Flurbereinigungsverfahren Hecken und kleingliedrige Strukturen ohnehin erhalten geblieben seien. Der zu erwartende Beitrag zum Klimaschutz werde zudem durch bestehende Heckenanpflanzungen gewährleistet. Bedacht werden solle auch, dass die Größe der Pflanzen (dreimal verpflanzte Hochstämme mit einem Kronenansatz von mindestens 2,20 Metern und einem Stammumfang von 16 bis 18 Zentimetern) vorgegeben sei, was zu einer Verteuerung des Pflanzenguts führen würde. Viel lieber wolle man weitaus mehr Pflanzen, die die Kriterien nicht erfüllen, kaufen und pflanzen.

Während Wilhelm Schnusenberg das Landesprogramm als „eine Idee, bei der Steuergelder raus geworfen werden“ bezeichnete, berichtete Wolfgang Rohde (SPD) von einer Ballonfahrt: „Die Bepflanzung ist völlig ausreichend. Verl ist so schön von oben.“

Während Beigeordneter Franz Berenbrinker anmerkte, dass es für das „100-Alleen-Programm“ weit mehr als 100 Bewerbungen gebe und es nicht einmal gewährleistet sei, ob man überhaupt berücksichtigt werde, gab CDUFraktionsvorsitzender Josef Dresselhaus noch folgendes preis: „Der Antrag war damals gestellt worden, da wussten wir gar nicht einmal, was gefordert werden würde.“ Der Fachausschuss votierte einstimmig für einen Verzicht der Teilnahme am Landesprogramm.

Zum Thema siehe auch hierhier (Antrag von Gütersloher CDU und GRÜNEN zur Teilnahme am 100-Alleen-Programm).