Von Gerrit Dinkels - Gütersloh (gl). Ein Platz zum Parken oder eine gestaltete Freifläche? Seit der abgeblasenen Bebauung entlang der Berliner Straße ist das die Gretchenfrage zum Konrad-Adenauer-Platz. Sie scheint jetzt zugunsten einer grosszügigen Freifläche entschieden zu sein. Auch eine Tiefgarage wird es nicht geben. Stattdessen sollen die Parkplätze entlang der Berliner Straße konzentriert werden. Das letzte Wort hat die Politik nach den Sommerferien.
Sechs Planungsbüros hatten an einem Wettbewerb zur Gestaltung des Platzes vor dem Rathaus und der Sparkasse teilgenommen. Gestern kürte die Jury den Entwurf der Hannoveraner Landschaftsarchitekten Irene Lohaus und Peter Carl mit zehn gegen zwei Stimmen zum Sieger.
„Wollt ihr einen schönen Platz, oder wollt ihr einen Parkplatz?“, fragte die Landschaftsarchitektin und Jury-Vorsitzende Hannelore Kossel aus Berlin. Nach der favorisierten Umgestaltung blieben von den heute insgesamt 85 Parkplätzen entlang der Berliner Straße und auf dem Platz noch etwa 70 an der Berliner Straße übrig. Kossel: „Damit gehen nicht so viele verloren, wie die Anlieger befürchtet haben.“ Die Stadt gewinne einen Gebrauchsplatz, der vielfältig nutzbar sei, und das vor einem Rathaus, das „ein tolles Beispiel für den Zeitgeist in der Architektur“ sei.
Stadtbaurat Josef E. Löhr sagte, „es hat sich in der Diskussion gezeigt, dass Parken nicht die richtige Lösung ist.“ Stattdessen sei eine vielfältige Nutzung anzustreben. Auch das Thema Tiefgarage „hat sich erledigt“. Die Politik habe mit zur Entscheidungsfindung beigetragen. Er gehe deshalb davon aus, „dass das auf einem breiten Fundament steht“. Der Siegerentwurf sieht einen ebenerdigen Platz vor, der durch die Gebäudekanten sowie die Strenger- und die Berliner Straße begrenzt wird. Als Belag werden rechteckige, bis zu zwei Meter lange Natursteinplatten vorgeschlagen, durchzogen von Bronzebändern und einem Streifen Kleinpflaster. Bis auf zwei Bäume an der Südwestseite vor dem Café Fritzenkötter bleiben alle Bäume stehen. Der Entwurf sei „bestechend“ durch diese Öffnung nach Südwesten, sagte die Jury-Vorsitzende. Entlang der Berliner Straße sollen Bäume ergänzt werden, so dass eine Allee entsteht. An der Seite zur Berliner Straße ragen mehrere parallel angeordnete Bänke aus dem Boden.
„Bonbon“ des Entwurfs ist ein rundes Wasserbecken nahe der Mitte des Platzes, umgeben von einem hölzernen Rand, auf dem man auch sitzen kann. Das Wasser soll permanent ablaufen können, damit sich eine glatte, spiegelnde Oberfläche ergibt oder, wie Hannelore Kossel es nennt, ein „Himmelsauge“. Als dritten Aufenthaltsbereich auf dem Platz schlagen die Planer ein Bistro vor, wo heute vor den Radhaus I die Fahrräder abgestellt werden. Das gelte es zu prüfen, so Kossel.
In zwei Punkten weicht die Jury von den Vorstellungen des preisgekrönten Entwurfs ab. Der sieht eine Mauer vor zwischen dem Rathaus II und dem Sparkassengebäude. Hannelore Kossel empfiehlt: „Die Lücke soll bleiben, damit man da durchgucken kann.“ Dahinter liegen Parkplätze. Auch der Weg, den Höhenunterschied zur Strengerstraße auszugleichen, überzeugt die Jury nicht: Die Hannoveraner schlagen ein vorgezogenes Podest vor mit Stufen und einer Rampe. Da möchte die Jury noch eine andere Lösung sehen.
Umbau nächste Jahr
Ob der Siegerentwurf eins zu eins umgesetzt wird, entscheidet sich nach den Ferien. Im August soll sich der Planungsausschuss mit dem Thema beschäftigen. Der Gestaltungsbeirat wird ebenfalls gefragt. Stadtplaner Michael Zirbel äußerte die Hoffnung, dass der Platz im nächsten Jahr fertig sein werde. Die Gesamtkosten richten sich nach der Ausführung. Für den Förderantrag beim Land ging man bisher von einem Kostenrahmen von rund 940 000 Euro aus. Gerechnet wird mit einer Förderung von 70 Prozent.
Der zweite Preis ging an das Architektenbüro Lützow 7, Berlin, das unter anderem den Vorplatz des Jüdischen Museums dort gestaltet hat. Kossel: „Das Preisgericht hat sich letztlich für den Hannoveraner Entwurf entschieden, da er für Ort und angestrebte Nutzung der praktikablere zu sein scheint.“ Sparkassen- Vorstand Eckhard Heitlage sagte, „wir sind mit dem Vorschlag zufrieden.“ Sein Haus hatte dem Wettbewerb mitfinanziert.
Nach dem Wettbewerb für den Schornstein auf dem Bartelsgelände (Beleuchtung) und die neue Innenstadtturnhalle ist der für den Konrad-Adenauer-Platz schon der dritte binnen weniger Monate. Im Herbst folgt ein Wettbewerb für die Gestaltung des Theaterumfelds. Michael Zirbel betonte, das sei „etwas, was die Stadt ausgesprochen schmückt“. In Fachkreisen werde schon darüber gesprochen.
Alle sechs Wettbewerbsbeiträge sind von Montag, 25. Juni, bis zum 13. Juli in der Hauptstelle der Sparkasse während der Öffnungszeiten zu sehen.