NW: Heimplätze über den Bedarf hinaus - Johanneswerk findet Pflegeheim bei Vossen unnötig (10.08.07)

Gütersloh. Peter-Christian König von der Regionalgeschäftsführung des evangelischen Johanneswerkes hat die geplante Ansiedlung eines neuen Pflegeheimes auf dem Vossen-Areal kritisiert. Sie gehe über den Gütersloher Bedarf hinaus.
König verwies darauf, dass zum Jahreswechsel bereits ein neues großes Pflegeheim auf dem Bartelsgelände eröffne – geplant waren dort ursprünglich betreute Altenwohnungen. Auf dem Vossengelände sollen nun knapp 140 Pflegeheimplätze hinzukommen, ein weiterer Betreiber plane die Aufstockung um 50 Plätze. „Bei einem derzeitigen Bestand von rund 600 Plätzen sind damit in Gütersloh deutlich mehr Pflegeheimplätze realisiert, als sozialplanerisch als Bedarf prognostiziert werden kann. Zumal es mittlerweile gute Alternativen zur Heimunterbringung gibt“, so König.

Während die frei-gemeinnützigen Träger längst auf ein zusätzliches Engagement in dem Marktsegment „stationäre Pflege“ verzichteten, versuchen die privaten Investoren und Aktiengesellschaften laut König, sich über einen am Preis orientierten Wettbewerb Marktanteile zu sichern und etablierte Einrichtungen der Wohlfahrtspflege und der Kommune vom Markt verdrängen. „Dies geht nur zu Lasten der Mitarbeitenden und der Pflegequalität, also letztlich zu Lasten derer, die in diese neuen Großinstitutionen eingezogen sind“, schreibt König.

Im Landespflegegesetz formulierte Mindeststandards, wie zum Beispiel maximal 80 Plätze, würden auf dem Vossengelände kurzerhand durch die Gründung zweier GmbHs (= zwei Heime mit angeblich zwei separaten Eingängen) umgangen. Die Geschäftspolitik dieser Gesellschaften werde dadurch mehr als deutlich. Jeder zusätzliche Heimplatz belaste den kommunalen Haushalt und verhindere die Entwicklung von Heimalternativen, welche den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen gerechter würden.

In der Nachbarstadt Bielefeld und in vielen anderen Gemeinden NRWs gelinge es zunehmend besser, durch eine gute Verknüpfung von Sozialplanung und Städtebauplanung, heimalternative Pflege- und Betreuungsmöglichkeiten für behinderte und alte Menschen zu schaffen, die den Lebensbedürfnissen der Menschen entgegen kämen, bürgerschaftliches Engagement und Nachbarschaft förderten und so die kommunalen und Gesundheitskassen entlasteten. „Die Entwicklung dieser ’Quartierskonzepte’ wurde von der Bertelsmann-Stiftung zum Teil sehr intensiv begleitet und dokumentiert. Das Wissen, wie eine menschen- und altengerechte Kommunalpolitik aussehen könnte, ist also auch in Gütersloh vorhanden.“


Die Johanneswerk im Stadtteil gGmbH entwickele in Gütersloh, Bielefeld, Herford und Bad Driburg mit Kooperationspartnern gemeinwesenorientierte Stadtteilprojekte, die auch bei Pflegebedürftigkeit den Verbleib in der eigenen 4-Wänden ermögliche. Alternativen seien also vorhanden. Bedauerlich ist, dass sie nicht im Sinne einer koordinierten Sozial- und Städtebauplanung genutzt werden.