Von GERRIT DINKELS Gütersloh (gl). Es schien ganz einfach zu sein. Weil der Preis für den brachliegenden Güterbahnhof mittlerweile auf Schnäppchenniveau gesunken war, sollte die Stadt ihn bei Bedarf gleich selbst kaufen und dort einen Innovationscampus für junge Firmen einrichten. So schwebte es den Plattform-Fraktionen im Frühjahr vor. Aber ganz so einfach ist es offenbar nicht.
Während über das 17 000 Quadratmeter große Gelände Gras wuchert, laufen im Hintergrund mehrere Verhandlungsstränge parallel. Im vorigen Jahr hatte die Bundesbehörde Eisenbahnvermögen (BEV) der Herforder Projektentwicklungsfirma Archidea den Zuschlag erteilt. Der Kaufpreis soll gegenwärtig bei 400 000 Euro liegen. Archidea sei auch weiter an dem Gelände interessiert, sagte der Architekt Christian Brettschneider der „Glocke“. Allerdings unter der Voraussetzung, dass man mit der Stadt eine Einigung über die künftige Nutzung erziele. Einzelhandel haben Verwaltung und und Politik ausgeschlossen.
In Frage kommt eine gewerbliche Nutzung. Das ist aber im Augenblick nachrangig. Denn zurzeit streitet die BEV mit der Deutschen Bahn, wer für die Beseitigung der Aufbauten wie Gleise, Signal- und Fahrleitungsanlagen aufkommt. „Da kann man nicht einfach fünf Meter Draht abschneiden“, sagte Raimund Rüther, bei der BEV zuständig für den Güterbahnhof. Dazu müssten Masten versetzt werden, es könnten schnell ein paar hunderttausend Euro zusammenkommen.
Nach jetziger Schätzung sind es 220 000 Euro. „Die würden wir auf den Kaufpreis draufschlagen“, so Rüther. Ergebnis: Der Güterbahnhof wäre kein Schnäppchen mehr. So wird es auch beim Herforder Investor sowie bei der Stadt Gütersloh gesehen. „Die können im Grunde gar nichts machen“, so Rüther, man müsse erst die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn abwarten.
Die Stadt treibt noch ein weiteres Thema um: Altlasten. Laut Rüther hat es vor Jahren „orientierende Untersuchungen“ gegeben, bei denen „nichts Gravierendes gefunden“ worden sei. Dabei habe zwar nicht Bohrloch an Bohrloch gelegen, aber die Daten seien einigermaßen verlässlich.
Lediglich im Bereich des Zollgebäudes habe es früher ein private Tankstelle gegeben. „Wenn der Preis und der Rahmen stimmen, lassen wir den Verkauf nicht an der Altlastenregelung scheitern“, sagte Rüther. „Zu 100 Prozent ausschließen würden wir Altlasten nicht“, so der BEV-Mann, aber bis zu einer gewissen Obergrenze, beispielsweise 100 000 Euro, würde man sich beteiligen. Über den Preis bestehe mit beiden Interessenten Einigkeit, sagte Rüther. Wenn die Frage mit dem Rückbau geklärt sei, komme es wohl darauf an, „wer ist bereit, noch etwas draufzulegen?“ Bei gleichem Gebot hat die Stadt das Vorkaufsrecht. Am morgigen Mittwoch findet am Güterbahnhof noch einmal ein Besichtigungstermin mit Vertretern der Stadt und der BEV statt. Mit einem Ergebnis ist allerdings nicht zu rechnen.
Die BEV ist seit 2004 für die Vermarktung des Güterbahnhofs zuständig. Seit 2005 laufen laut Rüther die Gespräche mit dem Investor. Weil der 2006 bereits den Zuschlag erhalten hat, taucht der Güterbahnhof auch nicht mehr unter den Immobilienangeboten im Internet auf. 2001 hatte das Gütersloher Architekturbüro Hauer + Kortemeier einen Rahmenplan für das Quartier Güterbahnhof erstellt. Damals beliefen sich die Preisvorstellungen noch auf fast zwei Millionen Euro.