Von GERRIT DINKELS Gütersloh (gl). Die Euphorie über die bei einem Verkauf der städtischen Parkhäuser zu erzielenden Erlöse ist im Rathaus verflogen. Die Verwaltung hat noch einmal kühl gerechnet und empfiehlt der Politik, die Parkhäuser weiter in eigener Regie zu betreiben. Allerdings sollen dann trotzdem Gebühren erhöht werden.
Es geht um die vier Parkhäuser an der Daltropstraße, am Bahnhof, an der Münsterstrasse (Berliner Platz/Karstadt) und an der Kirchstraße. Sie gehören der Stadt ganz oder zum Teil (Karstadt). Nach einer ersten Ausschreibung waren Angebote von großen Parkhausbetreibern eingegangen, die bis zu elf Millionen Euro boten. Mit solchen Summen hatte niemand gerechnet. Die Verwaltung hält sie auch für nicht realistisch, zumal die höheren Angebote vorläufig und an Bedingungen geknüpft sind. Der Einzelhandelsverband warnte vor einer Erhöhung der Gebühren beim Verkauf an einen profitorientierten Betreiber.
Bislang galten die Parkhäuser als Zuschussgeschäft und Klotz am Bein der Stadt. Tatsächlich haben die Einrichtungen im vergangenen Jahr unterm Strich Gewinne abgeworfen. In einer Rechnung kommt die Verwaltung zu dem Ergebnis, dass der Erlös bei der heutigen GebührenhoÅNhe (50 Cent für die erste halbe Stunde und 75 für jede weitere halbe Stunde) und einem aktuellen Gewinn von 260 00 Euro mindestens 5,2 Millionen Euro betragen müsste, damit sich ein Verkauf rechnet. Angenommen wird eine Verzinsung des Erlöses mit fünf Prozent.
Für den Fall, dass die Gebühren angehoben würden (ein Euro für die erste und jede weitere halbe Stunde, wie es einige Interessenten avisiert haben), würde sich der Jahresüberschuss auf 690 000 Euro belaufen. In dem Fall müsste der Verkaufserlös rund 13,8 Millionen Euro betragen. Beide Varianten erscheinen laut Verwaltung allerdings unrealistisch.
Stadtbaurat Josef E. Löhr sieht daher keine Argumente für einen Verkauf und möchte die Gewinne lieber für die Stadt einstreichen. Er plädiert in dem Bericht obendrein für eine neue Tarifgestaltung. Zuvor müsste ein Investitionsstau in Höhe von rund 750 000 Euro abgebaut werden.
Die Verwaltung spricht sich auch gegen eine Verpachtung aus. Im September hatten sowohl der Einzelhandelsverband als auch die Stadtwerke nach Aufforderung schriftliche Angebote eingereicht. Jörg Beyer, Handelsreferent beim Einzelhandelsverband Ostwestfalen Lippe, bekräftige gestern gegenüber der „Glocke“ das Interesse. Allerdings müsse die Politik erst entscheiden, ob sie verkaufen wolle oder nicht, bevor man in Verhandlungen trete.
Heute beschäftigen sich die Fraktionen mit dem Rechenwerk der Verwaltung. Im Grundstücksausschuss am Dienstag nächster Woche (17 Uhr, Raum 208 im Rathaus) soll eine Entscheidung vorbereitet werden. Dem Vernehmen nach tendiert eine Mehrheit dazu, die Parkhäuser zu behalten. Ob in eigener Regie oder verpachtet, ist offen