NW: Trotz Anbau fehlt im Rathaus Platz - Streit um Büro-Anmietungen / Mehr Raum für Schule (08.11.7)

VON RAINER HOLZKAMP - Gütersloh. Die Rede war von „Persilschein“ und einem „falschen Signal“. Tatsache ist, dass nach einem Beschluss des Grundstücksausschusses am Dienstagabend hinter verschlossenen Türen die Stadt trotz der zur Zeit laufenden kostspieligen Erweiterung des Rathauses auch künftig Büros extern anmieten kann.
Möglicherweise auch in dem geplanten Neubau eines privaten Investors an der Ecke Eickhoffstraße/Friedrich-Ebert-Straße. Dort soll ein Parkhaus mit einem direkt angeschlossenen Kopfgebäude mit 600 Quadratmetern Bürofläche entstehen. Die Verwaltung selbst hat diese Möglichkeit mit ihrer neuesten Beschlussvorlage ins Gespräch gebracht und damit schon vor Wochen von allen Fraktionen geäußerte Befürchtungen genährt, es werde offenbar ein drittes Rathaus mit angeschlossenem Parkhaus für Verwaltungsmitarbeiter geplant (NW vom 8. September).

Auslöser für die jüngste Debatte war ein Punkt, an dem sich im Ausschuss alle einig waren. So erhält das Evangelisch Stiftische Gymnasium (ESG), das wie auch das Städtische unter großer Platznot leidet und überdies ein neues Klassenraumsystem nach dem Muster des Pisa-Gewinners Finnland umsetzen will, im Tausch gegen zwei Wohngebäude an der Feldstraße die städtische Immobilie Daltropstraße 7.

Das direkt gegenüber dem ESG liegende Gebäude beherbergt derzeit weite Teile des Fachbereichs Jugend mit insgesamt 37 städtischen Arbeitsplätzen. Sie sollen ins Rathaus verlegt werden, sobald die Erweiterung des Hauses II abgeschlossen ist – also Ende kommenden Jahres. Das bedeutet, dass das zweite Domizil des Fachbereichs Jugend an der Schledebrückstraße entgegen den ursprünglichen Plänen auch weiter angemietet werden soll – genauso wie die Räume an der Kirchstraße 21 sowie an der Eickhoffstraße 31 und 33.

Als „ein Ding aus dem Tollhaus“ und „starkes Stück“ bezeichneten Politiker die neuesten Bestrebungen, eventuell sogar noch weitere Flächen anzumieten. Schließlich sei der Rathaus-Erweiterung vor zwei Jahren nur zugestimmt worden, weil er sich angeblich durch den Wegfall von Mietkosten rechne.

Damals habe die Aufgabe des Hauses Daltropstraße aber noch nicht zur Debatte gestanden, verteidigte die Verwaltung in nichtöffentlicher Sitzung ihr Vorgehen. Das stimmt so allerdings nicht. Denn wer einen Blick in die zwei Jahre alte Verwaltungsvorlage Nr. 283/2005 wirft, liest auf Seite 5: Nach der Verlagerung von Arbeitsplätzen in die Alte Post im Zuge von „Hartz IV“ zum Ende des Jahres 2005 „könnten Bereiche des Fachbereichs Jugend, die heute in der Daltropstraße untergebracht sind, zurück ins Rathaus geholt werden“.

Dennoch stimmte am Dienstag die schwarz-grüne Mehrheit gegen das Votum der SPD für den von Kritikern auch als „Freibrief“ bezeichneten Beschlussvorschlag der Verwaltung. Dort heißt es, derartige Bewertungen seien vollkommen fehl am Platz. Denn vor jeder neuen Anmietung müsse schließlich erst im Ausschuss das Okay eingeholt werden.