Von Stephan Rechlin - Gütersloh (WB). Gütersloh ist ein Schnäppchen. Das jedenfalls legt der Berichtsband Gütersloh des »Hundert-Städte-Überblicks« des Freiburger Immobilien-Informationsbrokers Thomas Daily GmbH nahe.
Für Investoren in Deutschland und Europa hat Thomas Daily die Büro- und Einzelhandelsmärkte in den hundert größten deutschen Städten untersucht - darunter Gütersloh. Neben dem verfügbaren Material aus den statistischen Landes- und Bundesämtern führten Mitarbeiter des Unternehmens im September sechs Befragungen regionaler Experten durch. Die Angaben zu Gütersloh stammen aus den Firmen Diekmannshenke Real Estate GmbH & Co. KG, Knocke & Richter KG und Rempe Immobilien.
Bis zum Jahre 2010 rechnet Thomas Daily mit einer Bevölkerungszunahme in Gütersloh um 1,6 Prozent auf 97 106 Einwohner. »Dabei sind die britischen Militärkräfte nicht eingerechnet«, stellt der Gütersloher Immobilienmakler Reinhard Diekmannshenke fest. Da der Standort Gütersloh verstärkt werden soll, rechnet er selbst mit einem Durchbruch der 110 000-Einwohner-Schallmauer bis zum Jahr 2010. Das Gutachten schätzt die Kaufkraft der Gütersloher Bevölkerung in diesem Jahr auf knapp zwei Milliarden Euro ein - das sind 11,1 Prozent mehr als das durchschnittliche Kaufkraftniveau in Deutschland.
Bei den Mieten für Büroflächen sind Daily zufolge Spitzenmieten von acht Euro je Quadratmeter (netto, kalt) erzielbar. Damit liegt Gütersloh unter dem Landes-durchschnitt von 11,30 Euro. In Städten mit weniger als 200 000 Einwohner sind durchschnittlich 10,10 Euro erzielbar. In Top-Lagen liege die Netto-Anfangsrendite in Gütersloh bei 7,2 Prozent. Die Leerstandsquote, die derzeit bei 7,5 Prozent liege, soll im kommenden Jahr schrumpfen - gleichzeitig würden nicht mehr so viele Sonderwünsche zum Zuschnitt und zur Ausstattung der Immobilie geäußert.
Den Verzicht auf Sonderkonditionen registriert Reinhard Diekmannshenke inzwischen auch bei der Suche nach Einzelhandelsflächen in Gütersloh. »Leerstände gibt es praktisch nicht mehr. Die meisten Läden in der Innenstadt sind innerhalb von vier Wochen wieder vermarktet.« In Top-Lagen sind bei Flächen unter 100 Quadratmetern bis zu 82 Euro erzielbar. Mit diesem Mietpreis liegt Gütersloh der Studie zufolge im Landesdurchschnitt, aber deutlich über den Mieten, die in Städten mit bis zu 200 000 Einwohnern erreichbar sind. Bei einer Fläche von mehr als 100 Quadratmetern sind in Gütersloher Top-Lagen 60 Euro je Quadratmeter drin.
Städte wie Gütersloh seien verstärkt in den Fokus von Investoren und Entwicklern gerückt - das Interesse des Düsseldorfer Projektentwicklers »Kai 18« an Gütersloh ist demzufolge kein Einzelfall. Während in Großstädten ein höheres Wertsteigerungspotential von Immobilien zu verzeichnen sei, würden in kleinen und mittleren Städten höhere Renditen bei geringeren Preisschwankungen herausspringen.