GL: Schuldnerberatung - Hoher Bedarf erfordert mehr Personal und Geld (13.11.07)

Von MARTIN NEITEMEIER - Kreis Gütersloh (gl). Die Schuldnerberatung im Kreis wird deutlich ausgeweitet – von aktuell 4 auf künftig 5,5 Vollzeitstellen. Im nächsten und im übernaÅNchsten Jahr wird der Kreis jeweils rund 350 000 Euro auf den Tisch legen, etwa 110 000 Euro mehr als derzeit. Das hat der Ausschuss für Arbeit und Soziales gestern Nachmittag einmütig dem Kreisausschuss zur Beschlussfassung empfohlen.
Die Schuldnerberater können derzeit dem Bedarf offensichtlich kaum Rechnung tragen. Es gibt eine lange Warteliste und entsprechend lange Wartezeiten. Zudem haben beispielsweise Arbeitslosengeld- II-Empfänger ein Recht auf eine entsprechende Beratung, denn zumeist steht eine hohe Verschuldung einer Vermittlung in Arbeit entgegen.

Fünf wohlfahrtsverbandlich organisierte Träger – in einem im April 2007 gegründeten Verbund zusammengeschlossen – bieten derzeit im Kreis Schuldner- und Insolvenzberatung an: die Diakonien in den Kirchenkreisen Gütersloh und Halle, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, der Sozialdienst katholischer Frauen und Männer (Rheda-Wiedenbrück) sowie die Gesellschaft „Lebensbaum Soziale Hilfen“ (Werther).

Eine geraume Zeit hat der Kreis mit dem Trägerverbund unter anderem über eine Ausweitung der Beratung verhandelt. Ergebnis: Statt für die geforderten 1,75 übernimmt der Kreis für 1,5 zusätzliche Stellen wie bisher 90 Prozent der Personalkosten. Die Sachkostenpauschale steigt von 7360 auf 9000 Euro je volle Stelle. Beantragt waren 14 040 Euro. Doch darauf wollte sich die Politik mit Blick auf die 9000- Euro-Sachkostenpauschale bei GT aktiv aus Gründen der Gleichbehandlung nicht einlassen. Der neue Vertrag läuft zwei Jahre. In dieser Zeit soll die Arbeit der Schuldnerberatung für Kreispolitik und -verwaltung transparenter und systematischer gemacht werden.

Im vergangenen Jahr haben kreisweit 1351 Menschen die Schuldnerberatung genutzt. 44 Prozent von ihnen waren Hartz- IV-Empfänger, 35 Prozent standen kurz vor der Notwendigkeit staatlicher Unterstützung. 930 Menschen wurden neu in die Beratung aufgenommen. Bis es dazu kam, mussten 41 Prozent bis zu 14 Tage und 23 Prozent sogar mehr als 2 Monate warten. Betreut wurden überwiegend Bürger mit Verbindlichkeiten – bei bis zu vier Gläubigen – in Höhe von bis zu 50 000 Euro. Derzeit stehen nach Angaben der Schuldnerberatungsstellen 750 Menschen auf der Warteliste. Durch die Aufstockung sollen pro Jahr 500 Bürger mehr beraten werden können.