GL: Rückzug vom CDU-Vorsitz und aus dem Kreistag - Ludger Kaup will bei Wahlen nicht mehr antreten (29.10.08)

Unter obiger Überschrift berichtet "Die Glocke" in ihrer heutigen (29.10.)Ausgabe:
Von unserem Redaktionsmitglied MARTIN NEITEMEIER - Kreis Gütersloh (gl). „Ich werde mich keiner Wahl mehr für die CDU stellen.“ Am Tag nach seiner klaren Niederlage bei der Nominierung des CDU-Bundestagskandidaten hat der Kreisvorsitzende und Chef der CDU-Kreistagsfraktion im Gespräch mit der „Glocke“ definitiv seinen Rückzug erklärt. Er werde im nächsten Jahr weder für den Kreisvorsitz noch erneut für den Kreistag kandidieren, sagte der 59-Jährige am Dienstag.
Bis dahin will Kaup, der „enttäuscht, aber nicht verärgert ist“, seine Arbeit in der und für die CDU im Kreis „ordentlich zu Ende bringen“. Den frisch gekürten Bundestagsbewerber Ralph Brinkhaus aus Gütersloh hält Kaup für einen „überzeugenden Kandidaten, der die Arbeit in Berlin gut machen wird“. Der 40-jährige Steuerberater müsse zudem den Kreisvorsitz übernehmen. Diesen hat Kaup seit 2005 als Nachfolger von Hubert Deittert inne. Und auch in Sachen Kreistag sieht Kaup schon jetzt „kompetente Leute nachrücken“, auch wenn die endgültige Kandidatenaufstellung erst am 23. Januar im A-2-Forum in Rheda-Wiedenbrück stattfindet. Der Rückzug Kaups wird heute auch ein Thema der Vorstandssitzung des CDU-Stadtverbands Gütersloh sein.

Er habe in seinem Leben alle 10 bis 15 Jahre etwas Neues gemacht und sich entschieden, hauptberuflich in die Politik gehen zu wollen, so der CDU-Kreischef. Das habe nicht geklappt, deshalb sei der Rückzug konsequent. „Das bin ich mir schuldig“, sagte Kaup der „Glocke“. Was genau er künftig machen werde, darüber wolle er in den nächsten Wochen in Ruhe nachdenken. Eile sei nicht geboten, da er ja noch als Kreisvorsitzender und Kreisfraktionschef gefragt sei. „Ich habe Alternativen, möglicherweise in meinem angestammten beruflichen Bereich“, machte Kaup deutlich, dass er sich noch längst nicht zur Ruhe setzen will. Die Rückzugsankündigung im Rahmen der Vorstellungsrunde vor der Abstimmung am Montag in der Stadthalle habe er „nicht aus der Hüfte heraus, sondern mit Bedacht“ gemacht.

Der siegreiche Ralph Brinkhaus hofft, dass Ludger Kaup seinen Rückzug mit einem gewissen Abstand zu der Kandidatenkür noch einmal überdenkt. „Er hat für die CDU im Kreis und im Kreistag gute Arbeit geleistet. Partei und Fraktion sind in einem guten Zustand“, sagte der 40-Jährige der „Glocke“. Er selbst hat nach eigenen Angaben über die Übernahme des Kreisvorsitzes noch nicht nachgedacht. „Ich muss mich zunächst an den Gedanken gewöhnen, jetzt Bundestagskandidat im Wahlkreis Gütersloh zu sein.“ Das so klare Ergebnis des ersten Wahlgangs habe ihn „wirklich überrascht“. Er sei von einer Stichwahl ausgegangen und habe sich dabei „gute Chancen ausgerechnet“, sagte Brinkhaus.

Stimmen:
Öffentlich werten wollte CDUBundestagsabgeordneter Hubert Deittert das Ergebnis der Kür seines Nachfolgers gestern im Gespräch mit der „Glocke“ nicht. Grundsätzlich sei er aber mit dem Auswahlverfahren und dem klaren Ergebnis zufrieden. „Ralph Brinkhaus kann die Menschen mitnehmen. Wir haben die besten Voraussetzungen, den Wahlkreis wieder direkt zu gewinnen“, sagte der Ehrenvorsitzende der Kreis-CDU. Die Vorstellungsrunden hätten die Partei mobilisiert. In einer Krise sieht Deittert den Kreisverband nicht. „Wir sind gut aufgestellt. Ludger Kaup macht eine gute Arbeit. Ob er die fortsetzen will oder nicht, ist allein seine Entscheidung.“

Statt am Rednerpult um Delegiertenstimmen zu werben, wie er das ursprünglich vorgehabt hatte, saß Dr. Michael Brinkmeier am Montagabend auf dem Podium im Tagungspräsidium und genoss den „guten Überblick“. Er hatte seine Bewerbung vorzeitig zurückgenommen, um sich weiter auf die Landtagsarbeit zu konzentrieren. Seinen „Glückwunsch an den Sieger“ verband er im Gespräch mit der „Glocke“ mit der „festen Überzeugung, dass wir einen guten Wahlkampf hinlegen und ein ebenso gutes Ergebnis erzielen werden wie mit Hubert Deittert“. Auch Brinkmeier sieht die Kreispartei nicht geschwächt, sondern als „starken Verband“. Dass sich seine ursprünglichen Bemühungen um die Bundestagskandidatur negativ auf die Fortführung seiner Arbeit in Düsseldorf auswirken, glaubt er nicht. „Ich habe viel Zuspruch für mein weiteres Wirken im Landtag erfahren.“

Landrat Sven-Georg Adenauer findet es „einfach schade, dass der Kreis Gütersloh keine vier Wahlkreise hat, denn jeder unserer Kandidaten hätte die Aufgabe übernehmen können“. Adenauer ist überzeugt, dass Ralph Brinkhaus „es gut und engagiert machen wird“. Adenauer bedauert den Rückzug Kaups, „weil er viel für den Kreis getan hat“. Kaup sei für ihn immer ein verlässlicher Partner gewesen. Es habe zwar auch mal Meinungsverschiedenheiten gegeben, aber die seien stets vom beiderseitigen Bemühen geprägt gewesen, eine bestimmte Sache nach vorn zu bringen. (mn)