Unter obiger Überschrift berichtet die "Neue Westfälische":
VON MEIKO HASELHORST UND ARNO LEY - Gütersloh. Unter den ostwestfälischen Christdemokraten gehörte er zu den Männern der ersten Stunde. Er selbst ging sogar noch ein bisschen weiter: „Ich war eher Mitglied in der CDU als Konrad Adenauer“, sagte Willy Kriszun vor einigen Jahren im Gespräch mit der NW. Nach 63 Jahren in der Partei ist er am vergangenen Sonntag im Alter von 89 Jahren gestorben.
Willy Kriszun (r.) im Jahr 2004 beim Stammtisch der Gütersloher Seniorenunion, im Hintergrund der Isselhorster CDU-Ehrenvorsitzende Helmut Lütkemeyer. (Foto gehört nicht zum NW-Artikel.Kriszun, der nach einer Neuordnung der CDU-Mitgliederkartei einen Ausweis mit der Nummer 00001 besaß, war 1945 einer von zehn Männern, die die CDU gründeten. Als er 60 Jahre später zur großen Geburtstagsfeier seiner Partei nach Dresden reiste, hatte er sogar Gelegenheit zu einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dem legendären Konrad Adenauer ist er häufiger in Bonn begegnet. „Als wir an der Regierung waren“, wie Kriszun sagte. Von Helmut Kohl hatte er eine Unterschrift auf seiner neuen Mitgliedskarte.
Kriszun hat den wirtschaftlichen Erfolg der Republik nicht nur miterlebt, sondern ihn auch für sich selbst nutzen können. Als schwerbeschädigter Flüchtling hatte er – geboren in Frankenreuth/Ostpreußen – in Ummeln den „Kuhdoktor Schröder“ aus Isselhorst getroffen. „Die Russen hatten uns aus unserer Heimat ausgewiesen. Ich wollte eigentlich nach Schwelm, wo ich als Soldat gelegen hatte“, sagte Kriszun. Doch der Tierheilpraktiker überredete ihn, in Gütersloh zu bleiben. „Hier ist eine nahrhafte Gegend, und die Konfessionen sind gemischt“, habe Schröder ihn überzeugt. Die Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten erklärten für Kriszun t manch eine Auseinandersetzung in der CDU.
Kriszun arbeitete in der Gastronomie und war Vorsitzender des Gütersloher Vertriebenenverbandes. Politische Führungsämter hat er gern den anderen überlassen. „Aber ich habe immer meine Meinung gesagt, auch wenn sie anderen nicht passte.“
Anfang der 90er Jahre zog Kriszun nach Senne. Dort war er bei Veranstaltungen der CDU ein geschätzter Gast. Während der 60-Jahr-Feier der Bielefelder CDU wurde er als herausragendes Mitglied ausgezeichnet.